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Chorschule 2017-08-26T01:35:20+00:00

Die Chorschule

Der Berliner Mädchenchor wurde 1986 an der Lindenkirche in Wilmersdorf gegründet. Ziel der Initiatoren – des Kantors Gerhard Oppelt und der Sopranistin Karin Drewes – war es, Mädchen ähnliche Möglichkeiten des Chorsingens zu bieten, wie dies Knabenchöre schon seit Jahrhunderten für Jungen tun. Der Berliner Mädchenchor war die erst Chorschule für Mädchen in West-Berlin und gehört zu den zwanzig ältesten Mädchenchören in ganz Deutschland.

Um den Chor zu einem qualitätsvollen Klangkörper zu formen, suchten die Initiatoren bald nach der Gründung den Kontakt zur Musikschule Wilmersdorf (heute: Musikschule City West), die ihn als eigenes Ensemble aufnahm und heute Träger des Berliner Mädchenchores ist. Die Anbindung an die Musikschule gewährleistet, dass die Mädchen von künstlerisch und musikpädagogisch kompetenten Dozenten unterrichtet werden.

Im Jahr 1998 übernahm die freischaffende Komponistin, Dirigentin und Musikpädagogin Sabine Wüsthoff die Leitung des Berliner Mädchenchores. Sie gab ihm eine neue Struktur und erweiterte sein Profil. Die Chorschule besteht seitdem aus vier aufeinander aufbauenden Klassen: Vorchor (6 bis 8 Jahre), Aufbauchor (8 bis 10 Jahre), Kleinem Konzertchor (10 bis 13 Jahre) und Konzertchor (13 bis 22 Jahre). Im Herbst 2014 gründete sie darüber hinaus das Vokalconsort des Berliner Mädchenchores für ehemalige Sängerinnen des Konzertchores und junge Frauen mit einschlägigen Chorerfahrungen ab 18 Jahre.

Das Repertoire umfasst heute mehrstimmige geistliche und weltliche Literatur aus allen Epochen bis zu Uraufführungen von Stücken zeitgenössischer Komponistinnen. Gesungen wird a cappella, mit Klavierbegleitung, Kammerensembles und Orchestern.

Seit der Neuausrichtung unter Sabine Wüsthoff nimmt der Berliner Mädchenchor auch an Wettbewerben teil, pflegt Kontakte zu anderen Mädchenchören im In- und Ausland und wirkt regelmäßig an Oratorienaufführungen von Berliner Chören und Projekten der Berliner Rundfunkchöre und -orchester mit.

Der Konzertchor hat bei nationalen und internationalen Wettbewerben schon mehrfach erste und zweite Preise gewonnen. Sein unverwechselbarer Klang und seine wirkungsvolle Bühnenpräsenz haben den Chor im Laufe seines 30-jährigen Bestehens weit über die Grenzen des Bezirks und der Kirchengemeinde hinaus bekannt gemacht.

Der Berliner Mädchenchor wirkt – seiner Herkunft und Zugehörigkeit verpflichtet – bis heute in Gottes­diensten der Lindenkirche mit und beteiligt sich auch an Aufführungen anderer Chöre des Kirchenkreises Charlottenburg-Wilmersdorf.

Europäische Mädchenchor-Tradition

Während Knabenchöre auf eine bis zu über 1000-jährige Geschichte zurückblicken können und von Anfang an öffentlich auftraten, gründeten sich reine Mädchenchöre in Deutschland erst ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. Chorischer Frauengesang wurde bis ins 19. Jahrhundert hauptsächlich in Frauenklöstern gepflegt und war auf Gottesdienste beschränkt. Eine Ausnahme bildeten die Frauenchöre der vier venezianischen Waisenhäuser für Mädchen, die schon im 16. Jahrhundert einen Schwerpunkt auf die musikalische Ausbildung ihrer Schülerinnen legten und regelmäßig öffentliche, allerdings vor den Blicken der Zuhörer geschützte Konzerte gaben, um sich ihren Unterhalt zu verdienen. Welches Niveau dabei erreicht wurde, lässt sich heute unter anderem an den Werken eines Antonio Vivaldi, Johann Adolph Hasse oder Niccolo Porpora ablesen, die diese für die venezianischen Sängerinnen komponiert haben.

Auch Johann Wolfgang von Goethe schwärmte von der Virtuosität der venezianischen Mädchenchöre, die er während seiner Italienreise (1786 bis 1788) erlebte und in seinen Reisetagebüchern beschrieb. Trotzdem lesen wir in seinem Roman „Die Wahlverwandtschaften“, Kapitel 17, von 1809: „Aber aus einer Anzahl Mädchen lässt sich kein Chor bilden wie aus einer Anzahl Knaben.“

Mädchen und Frauen hatten jahrhundertelang keine gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeit, öffentlich zu singen. Das galt allgemein als unsittlich. Diese Einstellung hielt sich bis in das späte 19. Jahrhundert. So mussten nicht nur die venezianischen Mädchen mit dem Austritt aus der Schule geloben, auf sängerische Aktivitäten zu verzichten, sondern auch noch der berühmte Hamburger Frauenchor, mit dem Johannes Brahms so gerne arbeitete, probte und experimentierte nur im privaten Rahmen und gehörte eigentlich einer gemischtstimmigen Chorvereinigung an.

Auch junge Mädchen traten lange nicht öffentlich auf oder konnten nur in gemischten (Kinder-)Chören singen. Heute sprechen allerdings pädagogische und musikalische Gründe sehr dafür, Jungen- und Mädchenstimmen, die sich komplett unterschiedlich entwickeln, getrennt auszubilden. Seit mittlerweile 30 Jahren erfüllt der Berliner Mädchenchor als Chorschule der Musikschule City West diese Aufgabe in Berlin.

Der Berliner Mädchenchor ist Mitglied im
Chorverband Berlin e. V.
Chorverband der Evangelischen Kirche Berlin-Brandburg-schlesische Oberlausitz
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