Chorschule2018-11-02T23:29:42+00:00

Die Chorschule

Der Berliner Mädchenchor wurde 1986 an der Lindenkirche in Wilmersdorf gegründet. Ziel der Initiatoren – des Kantors Gerhard Oppelt und der Sopranistin Karin Drewes – war es, Mädchen ähnliche Möglichkeiten des Chorsingens zu bieten, wie dies Knabenchöre schon seit Jahrhunderten für Jungen tun. Der Berliner Mädchenchor war die erste Chorschule für Mädchen in West-Berlin und gehört zu den zwanzig ältesten Mädchenchören in ganz Deutschland.

Um den Chor zu einem qualitätsvollen Klangkörper zu formen, suchten die Initiatoren bald nach der Gründung den Kontakt zur Musikschule Wilmersdorf (heute: Musikschule City West), die ihn als Ensemble aufnahm und ein Träger des Berliner Mädchenchores ist. Die Anbindung an die Musikschule gewährleistet, dass die Mädchen von qualifizierten Musikpädagogen, Chordirigenten und Gesangslehrern unterrichtet werden.

Im Jahr 1998 übernahm die freischaffende Komponistin, Dirigentin und Musikpädagogin Sabine Wüsthoff die Leitung des Berliner Mädchenchores. Sie gab ihm eine neue Struktur und erweiterte sein Profil. Die Chorschule besteht seitdem aus vier aufeinander aufbauenden Klassen: Vorchor (ab 5 Jahre), Aufbauchor (ab 8 Jahre), Kleinem Konzertchor (ab 10 Jahre) und Konzertchor (ab 13 Jahre). Anfang 2015 gründete sich als fünfte Gruppe das Vokalconsort für ehemalige Sängerinnen des Konzertchores und junge Frauen mit einschlägigen Chorerfahrungen (ab 20 Jahre) als Frauenkammerchor.

Das Repertoire des Konzertchores und des Vokalconsorts umfasst mehrstimmige geistliche und weltliche Literatur aus allen Epochen bis zu Uraufführungen von Stücken zeitgenössischer Komponistinnen. Gesungen wird a cappella, mit Klavierbegleitung, Kammerensembles und Orchestern.

Der Berliner Mädchenchor nimmt immer wieder an nationalen und internationalen Wettbewerben teil, bei denen er mehrfach erste und zweite Preise gewonnen hat. Er pflegt Kontakte zu anderen Mädchenchören im In- und Ausland und wirkt regelmäßig an Oratorienaufführungen bekannter Berliner Chöre und an Projekten der Berliner Rundfunkchöre und -orchester mit.

Seiner Herkunft und Zugehörigkeit verpflichtet, sind die einzelnen Chorgruppen bis heute regelmäßig an Gottes­diensten der Lindenkirche und Gemeindeveranstaltungen beteiligt und kooperieren auch mit anderen Chören des Kirchenkreises Charlottenburg-Wilmersdorf.

Der unverwechselbare Klang und die wirkungsvolle Bühnenpräsenz haben den Chor im Laufe seines über 30-jährigen Bestehens weit über die Grenzen des Bezirks und der Stadt sowie international bekannt gemacht.

Europäische Mädchenchor-Tradition

Während Knabenchöre im christlichen Europa auf eine bis zu über 1000-jährige Geschichte zurückblicken können und von Anfang an öffentlich auftreten durften, gründeten sich reine Mädchenchöre in Deutschland erst ab der Mitte des 20. Jahrhunderts. Chorischer Frauengesang wurde bis ins 19. Jahrhundert hauptsächlich in Frauenklöstern gepflegt und war auf Gottesdienste beschränkt. Eine Ausnahme bildeten die Frauenchöre der vier venezianischen Waisenhäuser für Mädchen, die schon im 16. Jahrhundert einen Schwerpunkt auf die musikalische Ausbildung ihrer Schülerinnen legten und regelmäßig öffentliche, allerdings vor den Blicken der Zuhörer geschützte Konzerte gaben, um sich ihren Unterhalt zu verdienen. Welches Niveau dabei erreicht wurde, lässt sich heute unter anderem an den Werken eines Antonio Vivaldi, Johann Adolph Hasse oder Niccolo Porpora ablesen, die diese für die venezianischen Sängerinnen komponiert haben.

Auch Johann Wolfgang von Goethe schwärmte von der Virtuosität der venezianischen Mädchenchöre, die er während seiner Italienreise (1786 bis 1788) erlebte und in seinen Reisetagebüchern beschrieb. Trotzdem lesen wir in seinem Roman „Die Wahlverwandtschaften“, Kapitel 17, von 1809: „Aber aus einer Anzahl Mädchen lässt sich kein Chor bilden wie aus einer Anzahl Knaben.“

Mädchen und Frauen hatten jahrhundertelang keine gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeit, öffentlich zu singen. Das galt allgemein als unsittlich. Diese Einstellung hielt sich bis in das späte 19. Jahrhundert. So mussten nicht nur die venezianischen Mädchen mit dem Austritt aus der Schule geloben, auf sängerische Aktivitäten zu verzichten, sondern selbst der berühmte Hamburger Frauenchor, mit dem Johannes Brahms so gerne arbeitete, probte und experimentierte nur privat und gehörte eigentlich einer gemischtstimmigen Chorvereinigung an.

Auch junge Mädchen traten lange nicht öffentlich auf oder konnten nur in gemischten (Kinder-)Chören singen. Heute sprechen allerdings pädagogische und musikalische Gründe sehr dafür, Jungen- und Mädchenstimmen, die sich komplett unterschiedlich entwickeln, getrennt auszubilden. Seit mehr als 30 Jahren erfüllt der Berliner Mädchenchor als Chorschule für Mädchen und junge Frauen an der Musikschule City West diese Aufgabe in Berlin.

Der Berliner Mädchenchor ist Mitglied im
Chorverband Berlin e. V.
Chorverband der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
Netzwerk Mädchenchöre Deutschland Österreich Schweiz

Termine

Sa 15
Mi 19
Do 20

Familien-Weihnachtskonzert in der Lindenkirche

20. Dezember | 18:0019:30

Kontakt

Mo bis Fr 09:00 bis 18:00 Uhr

Telefon: +49 30 91528588

Fax: +49 30 91472840